Abnehmen für Einsteiger

Thomas und Hiroshi Ishiguro.

Beim Erinnerungsfoto auf der CeBIT mit Robotik-Legende Hiroshi Ishiguro ist die Plautze weg. Nur das Hemd wirkt etwas weit.

Am 3. Dezember 2016 kaufte ich mir eine Waage. Ich hatte mich zuvor über Jahre nicht gewogen, doch zuletzt den Eindruck gewonnen, dass ich – möglicherweise – ein wenig zugenommen hätte. So überraschte ich mich immer häufiger dabei tief Luft zu holen, wenn ich fotografiert wurde. Tat ich das nicht, waren die entstandenen Fotografien häufig „unvorteilhaft getroffen“. Die neue Waage sollte endlich Klarheit schaffen. Ich schätzte mich vielleicht auf 88 Kilo. Die Waage korrigierte diese Vermutung unerbittlich auf 95. Daraufhin beschloss ich abzunehmen. Bis zum Beginn der CeBIT am 20. März 2017 wollte ich auf 87 Kilo runter, im Stillen liebäugelte ich sogar mit der 84. Das wäre dann die „Körpergröße minus Hundert“. Abnehmen also – nur wie? Eine Kollegin empfahl mir, ab dem Nachmittag auf Kohlenhydrate zu verzichten, das helfe garantiert. Da mir gerade nichts Besseres einfiel, beschloss ich, diesem Rat zu folgen.

Obwohl ich seit sechs Jahren kein Fleisch mehr esse und wir zuhause fast nur Bio-Produkte einkaufen, bin ich doch alles andere als ein Ernährungsexperte. So ganz sicher war ich mir nicht, welche Produkte nun kohlenhydratreich sind und welche nicht. Das Internet klärte mich auf: viele Kohlenhydrate sind in Zucker, Reis, Kartoffeln und allem aus Getreide. Selbst manches Obst enthalte viele Kohlenhydrate. Unglücklicherweise entsprachen genau diese Lebensmittel einem Großteil meines bisherigen Speiseplanes. Ich bin seit Kindesbeinen ein begeisterter Brotesser. Mir wurde klar, dass die Umstellung erheblich werden würde.

Ab dem nächsten Einkauf achtete ich akribisch auf den Kohlenhydratanteil. Ich wollte nichts mehr einkaufen, das mehr als 5% Kohlenhydrate enthält. Überrascht stellte ich fest, dass fertiger Kraut- oder Möhrensalat 15-20% Kohlenhydrate enthält, weil die Hersteller dem unschuldigen Gemüse reichlich Zucker zugeben. Die gleiche Entdeckung machte ich bei weiteren vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Müsli-Mischungen oder Fruchtjoghurts. Auch mein Lieblingsobst wie Birnen oder Weintrauben liegen deutlich über 10%, Bananen gar über 20%. Mein Einkaufszettel wurde recht übersichtlich: Ich kaufte Avocados, Harzer Käse, Salat, Hüttenkäse, Räucherfisch, Naturjoghurt, Oliven, Tomaten, Zwiebeln, Paprika. Mittags freilich aß ich weiterhin das Essen unserer Kantine, reduzierte lediglich den Anteil von Kartoffeln und Reis zugunsten von Gemüse. Abends aß ich häufig Salat mit Thunfisch oder Feta und trank Wein dazu. Und auch ohne Kohlenhydrate war ich satt und zufrieden.

Tatsächlich setzte der Gewichtsverlust nach einigen Tagen ein und setzte sich dann kontinuierlich fort. Am 20. Dezember zeigte die Waage 92 Kilo, auch weil ich – überraschend erfolgreich – den Verlockungen von Lebkuchen und meinen inniglich geliebten Spekulatius widerstehen konnte. Ich bemerkte erfreut, dass sich gleichzeitig – auch während arbeitsintensiver Phasen – kein Hungergefühl mehr einstellte. Dieses hatte mich früher oft dazu verleitet, die im Schreibtisch bevorrateten Schokoriegel zu essen, um einer drohenden „Unterzuckerung“ vorzubeugen.

Am 5. Januar stand dann erstmals eine Acht vorne auf der Anzeige meiner Waage. Ohne ein Gefühl der Entbehrung verzichtete ich auf Kuchen, Schokolade und vor allem Brot. Niemals fühlte ich mich hungrig. Ende Januar hatte ich dann mein Minimalziel von 87 Kilo erreicht, acht Kilo in knapp acht Wochen. Und noch waren es über sechs Wochen bis zur CeBIT. Natürlich machte ich weiter, ich fühlte mich gut und der Verzicht auf wirklich leckere Lebensmittel machte mir fast nichts aus. Am 3. März hatte ich mein Wunschziel von 84 Kilo erreicht. Zwar reduzierte sich die Geschwindigkeit des Gewichtsverlustes, das Abnehmen aber ging weiter. Am 19. März, dem Tag der CeBIT-Eröffnung, leuchtete mir eine 81,8 auf dem Display entgegen. In rund dreieinhalb Monaten hatte ich stolze 13,2 Kilo abgenommen. Dieses Gewicht halte ich nun bis heute.

Ich verzichte weiterhin abends auf Kohlenhydrate, esse aber am Wochenende beim Familienfrühstück zwei Brötchen (allerdings aus Dinkelmehl). Süßigkeiten (auch meine geliebten vegetarischen Gummibären) bleiben tabu, aber Nüsse knabbere ich hin und wieder. Aus rein sportlichem Ehrgeiz will ich noch versuchen, auf der Waage die Sieben vorne zu sehen, auch wenn ich weiß, dass ich dieses Gewicht nicht halten werde. Es ist mehr ein Experiment. Mein mittelfristiges Ziel lautet: nicht mehr über 84 Kilo kommen.

Für die in den letzten Jahren gekaufte Kleidung bin ich jetzt zu dünn geworden. Waren vorher Hemden mit Kragenweite 43 bedrückend, sitzt jetzt die 42 sehr bequem. Meine Anzüge trug ich vor einigen Wochen noch in Größe 54, heute erscheint mir die 98 schon sehr weit, doch eine 94 zu kaufen traue ich mich noch nicht. Meine Bundweite für Jeans hat sich von 36 auf 33 reduziert – eine 33 habe ich Anfang der Neunziger Jahre zuletzt gekauft. Das alles macht mich zugegebenermaßen schon ein wenig stolz.

Das Erstaunliche an meiner Erfahrung des Abnehmens ist: Ich habe keine wissenschaftlichen Ernährungsratgeber konsultiert (nur meine Waage), ich habe keine teuren Abnehmprogramme gebucht oder Diät-Lebensmittel gekauft. Ich habe lediglich den Tipp einer Arbeitskollegin befolgt und darauf geachtet, konsequent Kohlenhydrate zu reduzieren und insbesondere auf Zucker zu verzichten. Ich habe an keinem einzigen Tag gehungert, bin nie mit knurrendem Magen schlafen gegangen, fühlte mich nie schlapp und wurde auch nicht krank. Wer also etwas abnehmen möchte, sollte dieses trivial einfache „Low Carb“ einfach mal ausprobieren. Bei mir zumindest hat das geholfen.

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2 Gedanken zu „Abnehmen für Einsteiger

  1. Ähnliches Programm bei mir vor vielleicht 3 Jahren, ähnlich erfolgreich, und seitdem halte ich das Gewicht. Das Schöne an den reduzierten Kohlehydraten ist ja: Es ist keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung, die man beibehalten kann (und muss, wenn man nicht zurück will zu altem Gewicht). Bei mir noch: Immer mehr Sport dazu; und Fleisch. Oft also Fisch mit Gemüse, Fleisch mit Salat, solche Sachen … Auf Kartoffeln, Nudeln und Reis kann ich leicht verzichten, aber Brot ist wirklich ein Problem. Es gibt so herrliches Brot in diesem Land. Das esse ich halt inzwischen am liebsten zum Frühstück und ab und zu – wir sind ja nicht päpstlich – auch abends, nur mit Butter oder Käse und Wein …

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    • Hallo Christian – Danke für Deinen Kommentar. Mir geht es ähnlich: ich sehe das auch als langfristige Ernährungsumstellung und ich leide ebenfalls am meisten beim Brot. Ganz verzichten werde ich gleichwohl auch auf Kartoffeln und Reis nicht – dazu liebe ich Sushi zu sehr, Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl oder gute Bratkartoffeln an der Ostsee. Aber ich esse das jetzt alles viel bewusster.

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