Gerade gelesen: „HOOL“ von Philipp Winkler

Der Romanerstling des 1986 geborenen Philipp Winkler erschien bereits 2016, verkaufte sich überaus erfolgreich und lag dennoch drei Jahre ungelesen auf meinem Nachttisch. Jetzt endlich hatte ich Zeit und Ruhe, das 300 Seiten starke Buch zu lesen. Und es hat sich gelohnt.

Der Roman erzählt vom Erwachsenwerden des Hannoveraner Hooligans Heiko Kolbe, der über seinen Onkel in die archaische, ausschließlich männlich geprägte Welt der gewaltbereiten Fanszene gelangt. In einer nicht chronologischen Collage einzelner Episoden entsteht das Bild einer Jugend, die von Fußball, ritualisierten Hierarchien, Alkohol, zerrissenen Familien und gescheiterten Hoffnungen geprägt wird. Der Held des Romans findet sozialen Halt nur in der seiner Gruppe, bei der er den Selbstmord eines bewunderten Freundes, die Alkoholsucht seines Vaters, die abwesende Mutter, die die Familie früh verlassen hat, und die eigene berufliche Perspektivlosigkeit verdrängen kann. Kameradschaft ist das höchste Gut. Doch während Heiko darauf hofft, bald die Anführerschaft in der Gruppe zu übernehmen, planen seine engsten Freunde den Ausstieg aus der Szene und die Rückkehr in eine bürgerliche Existenz. Eine Alternative, die Heiko selbst nicht hat.

Die Sprache ist durchaus drastisch und wirkt für mich – sofern ich das überhaupt beurteilen kann – sehr authentisch. Dennoch ist Heiko nicht der seelenlose und primitive Schläger, als die ich Hooligans der Kategorie C insbesondere nach den Verbrechen bei der WM 1998 wahrnehme. Eher ist er ein tragischer und hilfloser Held auf der Suche nach Anerkennung und Liebe. Das mag sich jetzt etwas schwülstig anhören, wird aber im Buch durchaus überzeugend geschildert. Von mir also eine klare Leseempfehlung.

Übrigens: Bücher kauft man nicht online, sondern ausschließlich bei seiner Buchhandlung vor Ort!

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