Wer war Willi Gölkel?

Über mein großes Interesse am wechselvollen Schicksal der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg habe ich in einem früheren Post bereits kurz berichtet. Im Schicksal der Internationalen Brigaden verdichten sich für mich die Größe und das vielfältige Scheitern der europäischen Idee in weniger als zwei Jahren Bürgerkrieg. Neben der intensiven Lektüre zum Thema trage ich zusammen, was ich an Originaldokumenten finde – sofern ich sie denn bezahlen kann. Schon einfache Briefumschläge, die sich den Internationalen Brigaden zuordnen lassen, sind in der Regel nicht unter 100 Euro zu bekommen – es gibt einfach nur sehr wenig Originalmaterial. Von einzelnen Bataillonen sind weltweit überhaupt nur drei, vier Dokumente bekannt.
imageKürzlich konnte ich für meine Sammlung den ersten Umschlag ersteigern, den ich eindeutig einem der wohl knapp 5.000 deutschen Kämpfer zuordnen konnte. Anders als bei den meisten Briefen hat der Absender seinen vollen Namen angegeben: Willi Gölkel. Als Anschrift gibt er das Hauptquartier der Internationalen Brigaden am Plaza Altozano in Albacete an, ein damals durchaus übliches Verfahren. Das S.R.I. steht dabei für Socorro Rojo International (Internationale Rote Hilfe), eine wesentlich von der Kommunistischen Internationale getragene Wohlfahrtsorganisation. Die darauffolgende Zahl 11 verweist auf die mehrheitlich deutschsprachige XI. Internationale Brigade (Thälmann-Brigade). Zuletzt folgt ein weiteres handschriftliches Zeichen, das ich nicht sicher entschlüsseln kann; sehr wahrscheinlich ist es aber eine römische Vier (IV), ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zum vierten Bataillon dieser Brigade, dem Bataillon 12. Februar, das überwiegend aus Österreichern bestand.

image Im Juli 1937 wurde die XI. Internationale Brigade in der verlustreichen Schlacht von Brunete eingesetzt. Im Anschluss, womöglich auch noch im Dezember 1937, als Gölkel den Brief schrieb, befand sich das Bataillon 12. Februar zu Ausbildungszwecken in der Nähe von Madrid.

Aber wer war Willi Gölkel? Leider habe ich bislang noch nicht viel über den Schreiber dieses Briefes herausfinden können. Sein richtiger Name war Wilhelm Gölkel, er wurde am 5. Februar 1901 in Neunkirchen geboren und lebte vor seiner Emigration in Saarbrücken. Ab Mai 1937 hielt er sich in Spanien auf, wo er sich den Internationalen Brigaden anschloss – offensichtlich als Mitglied des Bataillons 12. Februar. Die Vermutung liegt nahe, dass er 1935, nach der Eingliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich, nach Frankreich geflohen ist, dort lebte ja auch der Empfänger des Briefes mit dem ebenfalls deutsch klingenden Nachnamen Rauffmann, möglicherweise ein Freund in der Emigration.

Eine Internet-Quelle gibt an, dass sich Willi Gölkel auf einer Liste der von den Deutschen ausgebürgerten Juden befinden soll (im Gedenkbuch des Bundesarchivs findet sich allerdings kein einziges jüdisches Opfer mit diesem Namen). Eine andere Quelle nennt in einer knappen biographischen Notiz noch den Zusatz „Frankreich, Resistance“. Demnach hätte Gölkel den Bürgerkrieg überlebt, wäre spätestens nach der Niederlage der spanischen Republik im Frühjahr 1939 nach Frankreich zurückgekehrt und hätte sich dort – möglicherweise nach einer Zeit in einem der Internierungslager – dem fränzösischen Widerstand angeschlossen. Hinweise auf sein weiteres Schicksal habe ich bislang nicht finden können.

Zu den Stempeln auf dem Umschlag nur so viel: Briefe der kämpfenden Truppen mussten unverschlossen aufgegeben werden, wurden gesammelt nach Albacete gebracht und dort das erste Mal zensiert. Auf der Rückseite erkennt man schwach den dortigen violetten Zensurstempel (Visado por la Censura Militar). Die Post wurde dann zumeist weiter nach Valencia transportiert, wo sich die zentrale Poststelle der Internationalen Brigaden befand. In Valencia wurde der Brief frankiert (der rote Maschinenstempel) und erhielt einen weiteren Zensurstempel, der hier stark verwischte schwarze rechteckige Stempel mit der Aufschrift S.C.C. 111 (einen klaren Abschlag findet man ebenfalls in diesem Beitrag). Anschließend wurde der Brief nach Frankreich befördert.

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