Hinweis auf Else Lasker-Schüler

Warum hinweisen auf Else Lasker-Schüler, die wahrscheinlich bekannteste und meistbesprochene deutsche Lyrikerin des 20. Jahrhunderts? Es gibt zahlreiche Biografien und etliche Ausgaben ihrer Werke bei renommierten Verlagen (neben den Gedichten auch Romane, Erzählungen, Dramen und Zeichnungen). Doch nie war es so einfach, Else Lasker-Schüler zu lesen: Seit gestern sind ihre Werke gemeinfrei.

imageElse Lasker-Schüler ist längst eine legendäre Figur der deutschen Literatur. Leitfigur der Berliner Bohème vor dem ersten Weltkrieg, leidenschaftlich lebend, emanzipiert, extravagant, sensibel, ständig pleite, dabei mit nahezu allen Größen aus Kunst und Literatur ihrer Zeit bekannt, liiert – oder verfeindet. Lebensgefährtin von Gottfried Benn und Herwarth Walden, Korrespondentin eines mittlerweile weltberühmten grafisch-literarischen Briefwechsels mit Franz Marc. Ihre Werke erscheinen in den renommiertesten Zeitschriften und Verlagen der Weimarer Republik. Als Jüdin muss sie 1933 aus Berlin in die Schweiz flüchten, später zieht es sie weiter nach Palästina. Sie stirbt am 16. Januar 1945 in Jerusalem.

imageWer sich mit Else Lasker-Schüler auseinandersetzen möchte, findet ihre Biografie natürlich in der Wikipedia. Für die weitergehende Lektüre empfehle ich das noch lieferbare Marbacher Magazin 71 aus dem Deutschen Literaturarchiv – für knappe 12,80 Euro bekommt man hier eine fantastische umfangreiche Dokumentensammlung.

Da viele Texte von Else Lasker-Schüler einen autobiographischen Bezug haben, empfehle ich zunächst das Einlesen in ihre atemberaubende Biographie – die ist spannender als so mancher Roman. Wer sich danach an die Primärtexte wagen möchte, beginnt vielleicht mit dem zauberhaften kleinen Roman „Mein Herz“, einer überraschend modernen Liebesgeschichte aus dem frühexpressionistischen Berliner Literaturbetrieb. Die mittlerweile sehr seltene Erstausgabe erschien 1912 im Verlag Heinrich F.S. Bachmair, München und Berlin.

Vor kurzem hatte ich das unerwartete Glück, ein Exemplar des letzten Buches der Dichterin zu erwerben: den Gedichtband „Mein blaues Klavier“, als Privatdruck in Jerusalem erschienen 1943 in nur 330 nummerierten Exemplaren, meines trägt die Nummer 111 und wurde in einer Buchhandlung in Haifa verkauft – eine große bibliophile Rarität.

Im Buch eingelegt fand ich das Telex einer dpa-Meldung von März 1969, die über das Schicksal des Grabsteines Else Lasker-Schülers berichtet. Bücher erzählen meist mehr als nur eine Geschichte.

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Die Gedichte von Else Lasker-Schüler finden sich seit gestern bereits auf der Website literatisch.de, weitere kostenlose Publikationen werden gewiss bald folgen.

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