Warum ich #Kaltland für einen schlechten Hashtag halte

Deutschland wird 2015 allen Schätzungen nach rund eine Million Flüchtlinge aufnehmen. Vor genau einem Jahr konnte diese Zahl wohl niemand vorausahnen. Deutschland hat diese gewaltige humanitäre  Aufgabe insgesamt gut bewältigt – vor allem dank seiner extrem hilfsbereiten Bevölkerung. Deutschland 2015 war ein Warmland, gewiss kein Kaltland.

imageIch glaube nicht an 100%-Gesellschaften. Keine Nation wird jemals zu irgendeinem Punkt eine einheitliche Meinung haben. Menschen sind verschieden – verschieden intelligent, verschieden gebildet, verschieden erfahren. So bitter es klingt: In jeder Gesellschaft wird es immer mindestens 5% Drecksäcke geben – Leute, deren Worte und Taten wir verabscheuen und gegen die wir Farbe bekennen müssen.

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Mein Frieden mit Fulda

Seit einigen Jahren fliehen wir an Weihnachten aus Berlin. In diesem Jahr der Entschluss, nach Fulda zu fahren: die Stadt, die mein Pass als mein Geburtsort ausweist, in der ich aber niemals lebte und die ich eher verleugnete. Was findet man in der Stadt, in der die eigene Mutter aufwuchs, man selbst aber allenfalls die Großeltern besuchte. Heimat vielleicht?

Fuldas Dom mit der Michaeliskirche.

Berühmte Silhouette: Fuldas Dom mit der Michaeliskirche (re.).

Im Bahnhof erschrecke ich noch angesichts dessen Banalität, doch schon der Vorplatz, mir noch als vielbefahrene Zubringerstraße in Erinnerung, ist heute längst verkehrsberuhigtes Entree einer Geschäftsstraße mit angenehm kleinstädtischem Charme. Der Weihnachtsmarkt auf dem nahegelegenen Universitätsplatz mit viel lokalem Kunsthandwerk und ganz ohne den sonst so gefürchteten Ramsch. Ich schaue mich um. Ambitionierte Neubauten, wo früher lieblose Zweckarchitektur der Fünfziger und Sechziger Jahre stand. Die Altbauten meist aufwändig saniert. Viel kleiner Einzelhandel, kaum Fillialketten. Natürlich gibt es hier und da noch etwas zu tun. Doch im Vergleich zu den Erinnerungen an meine Fulda-Besuche aus den Achtziger und Neunziger Jahren ist die Veränderung zum Guten kaum zu übersehen.

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Hinweis auf Gunther Tietz

Im Juni 1993 verstarb in Berlin kurz nach seinem 32. Geburtstag der Schriftsteller Gunther Tietz an AIDS. Ich habe ihn nie kennengelernt. Das hätte ich gerne, schrieb er doch die Bücher, die ich damals gerne geschrieben hätte.

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Im Tagesspiegel las ich 1991 oder 1992 eine Buchkritik, die mich neugierig machte. Ein junger Autor, Gunther Tietz, nur unwesentlich älter als ich, beschrieb in seinem Roman Kartoffel is Kartoffel das studentische West-Berlin der Achtziger Jahre. Der Kritiker verglich dessen Schreibstil mit Franz Hessel und Christopher Isherwood, damals wie heute Herrscher in meinem literarischen Olymp.

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No pasaran! – Nachricht aus Madrid

Im April 1937 schreibt ein tschechischer Freiwilliger der Internationalen Brigaden diese Postkarte aus Madrid an einen Bekannten in der damaligen Tschechoslowakei. Sie übersteht die Zeit und berichtet heute in knappen Worten von einem europäischen Drama.

image.jpegManchmal erwähne ich in Gesprächen, dass ich mich für die Internationalen Brigaden interessiere. Ich ernte dann meist etwas irritierte Blicke, weil kaum jemand mit diesem Begriff etwas anzufangen weiß. Einige meinen, ich sympathisierte mit Terrorgruppen der Siebziger Jahre. Weiterlesen

Brüsseler Sperren

Seit einigen Monaten fahre ich alle zwei Wochen nach Brüssel, um eine Konferenz vorzubereiten. Ich war vor den Pariser Anschlägen da, dann nur wenige Tage danach, um seit dem regelmäßig zurückzukehren. Auf den Plätzen und Bahnhöfen fallen besonders die paarweise patrouilliernden Soldaten in Kampfmontur mit ihren vor der Brust getragenen Schnellfeuergewehren auf. Doch in diesen frühlingshaften Tagen wirken die Menschen gelassen trotz dieser martialischen Kulisse.

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Heute dann auf dem nahe Molenbeek gelegenen Gare du Midi wurde ich das erste mal vor einer Bahnfahrt von bewaffneten Polizisten kontrolliert und musste Ausweis und Fahrkarte präsentieren und Sperren passieren. Da wurde mir das nach wie vor Bedrohliche dieser Tage wieder bewusst. Weiterlesen

Hallo Welt!

Kein besonders einfallsreicher Titel, um ein Blog zu beginnen. Aber es zählt der Anfang. Nicht immer nur planen und erwägen, sondern einfach beginnen. Es sollte doch zu schaffen sein, zwei, drei mal im Monat einen einigermaßen interessanten Text zu schreiben. Und dabei darauf zu vertrauen, dass den dann auch jemand liest.

Was habe ich also vor? Ich werde über Bücher schreiben und über andere Dinge aus Papier: Zeichnungen, Drucke, Manuskripte, Dokumente, Postkarten, denn ich liebe die Geschichten, die diese Dinge erzählen. Ich möchte über Menschen schreiben, die mich beeindruckt haben, obwohl ich von deren Existenz nur zufällig erfuhr. Und ich werde natürlich über die vielen Nebensächlichkeiten berichten, die mir geschehen oder die mir auffallen und deren Gesamtheit erst unsere Individualität ausmacht.

Wünscht mir also Glück dabei (und die Fähigkeit, WordPress zu verstehen).